Bildungslandschaft Heidelberg Bergheim

‚Learning Village Bergheim’ ... ein Projekt für alle Generationen.

Heidelberg und Bergheim

Bergheim, die ‚heimliche’ Mitte Heidelbergs grenzt nördlich an den Neckar und seiner Uferstraße. Der Stadtteil erstreckt sich vom geschäftigen Bismarckplatz und der erweiterten Altstadt im Osten bis zu den Ein- und Ausfahrten der großen Verkehrsanlagen im Westen (Autobahn und Bahngleise). Im Süden folgen große alte und neue Stadtquartiere, die Weststadt und die Bahnstadt. Der Hauptbahnhof Heidelbergs mit dem Willy-Brandt-Platz bildet hierbei den zentralen Dreh- und Angelpunkt zwischen der Kurfürstenanlage und der wichtigen Nord-Süd-Verbindung Mittermaierstraße.

Das früher industriell geprägte Bergheim hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Brauerei, Glockengießerei, und einige andere große, industrielle Ansiedelungen wurden in Wohngebiete transformiert. Die klinischen Einrichtungen der Universität zogen auf den Campus ‚Neuenheimer Feld’ und dem Auszug der Krehlklinik folgten die politischen Wissenschaften und die Sozialwissenschaften. Aus dem Altklinikum wurde der Campus ‚Bergheim’. Inzwischen gilt der Stadtteil nicht nur als eine der ‚hippsten’ Adressen der Stadt, sondern ist zu einem beliebten innerstädtischen Stadtquartier geworden, in dem die Mischung alter und neuer Wohnungsbauten, das vielfältige Angebot unterschiedlichster Läden, öffentliche Einrichtungen, Restaurants und Cafés, gemeinsam mit der bunten Vielfalt der Menschen eine urbane Qualität erzeugt, die seines Gleichen in Heidelberg sucht.

Der Stadtteil und sein ‚Learning Village’

In Bergheim lassen sich schon jetzt mehrere identitätsstarke Bereiche bzw. Quartiere entlang der zentralen Ader, der Bergheimer Straße unterscheiden.  Während sich südlich der Bergheimer Straße, zwischen Bismarckplatz und Altem Hallenbad der geschäftigste Teil Bergheims, das kommerzielle Zentrum in Erweiterung der Hauptstraße befindet, versteckt sich im Norden der Campus ‚Bergheim’ mit seinen universitären Einrichtungen. Erst auf der Höhe der ehemaligen Krehlklinik öffnet sich der Campus dem Stadtteil. Allein der Zaun behindert noch die einladende Geste des Vorhofes.

Westlich der Mittermaier Straße ist mit dem Kreativwirtschaftszentrum, dem (noch leeren) Hotel Metropol, einer Galerie für urbane Kunst und dem Nutzungsmix des Landfried-Areals ein neuer, kreativer Entwicklungsimpuls gerade im Wachsen.

Inmitten dieser klar definierbaren Identitäten findet man ein kleines Quartier zwischen Bergheimer und Vangerowstraße, zwischen Kirch- und Fehrentzstraße, dessen noch unscheinbare Identität als ‚Learning Village’ herausgestellt werden muss.

Schule und Familie

Um das gründerzeitliche Schulgebäude der Wilckensschule (Grundschule) und der Käthe-Kollwitz-Schule (Förderschule) ordnen sich die Volkshochschule Heidelberg mit der Akademie für Ältere, die städtische Musik- und Singschule, eine Kindertagesstätte der Stadt Heidelberg, der zweizügige Kindergarten Frieda Busch der Luthergemeinde, die private Kindertagesstätte ‚Kindernest’ und das wohl beliebteste Freischwimmbad Heidelbergs, das Thermalbad, an. Darüber hinaus befinden sich in unmittelbarer Nähe ein großer Kinderspielplatz an der Fehrentzstraße sowie das ‚Kulturfenster’ und das Seniorenzentrum Bergheim in der Kirchstraße. Direkt gegenüber der Volkshochschule wird im kommenden Jahr die Gesellschaft für Grund und Hausbesitz (GGH) ihren Platz an der Bergheimer Straße finden. Die GGH ist in Heidelberg der größte Vermieter und aus diesem Grund Anlaufstelle vieler Heidelberger Familien. Während einige dieser Einrichtungen, wie z. B. die Luthergemeinde eng mit dem Stadtteil verbunden sind, haben andere aufgrund ihres Programms und Angebotes wiederum starke gesamtstädtische Bezüge, wie z.B. die Volkshochschule. Alle diese Einrichtungen teilen sich zwar das gleiche Quartier, den gleichen städtischen Block, arbeiten und leben aber nahezu autark nebeneinander.

Potenziale und Ziele

In zweiter Reihe der Bergheimer Straße ist der Ort für viele Außenstehende nicht erlebbar. Die unmittelbare Nähe der unterschiedlichen Einrichtungen zueinander wird kaum wahrgenommen. Der öffentliche Raum ist in weiten Bereichen zugeparkt, von Verkehrsschildern verstellt und wie auch der verbliebene Freiraum der zwei Schulhöfe nicht gestaltet. Der Neckar liegt nebenan, aber ist doch unerreichbar. Die unmittelbare Nähe der einzelnen Institutionen zueinander, ein eindrucksvoller, alter Baumbestand und viele ‚Möglichkeitsräume’ bieten aber Anknüpfungspunkte, um wesentliche Themen der IBA, wie z.B. die Etablierung von Bildungseinrichtungen, als wichtige Orte des Austauschs, der Integration und damit der Herausbildung von guten Nachbarschaften im Quartier und darüber hinaus zu befördern. 

Weiter möchte das Projekt ‚Learning Village Bergheim’ eine wesentlich bessere Vernetzung und den Austausch der verschiedenen Bildungsträger und Freizeiteinrichtungen miteinander initiieren. Das Ganze muss mehr als die Summe der einzelnen Teile sein! Einrichtungsübergreifende Projekte, gemeinsame pädagogische Konzepte, gemeinschaftliche Nutzung des Freiraums sind nur einige der vielen Möglichkeiten. Der Kommunikation der Akteure miteinander kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Ziel des Projektes ist es, aus vielen verschiedenen Einzelakteuren sogenannte Verbundakteure zu machen. Hierfür ist die Analyse des Raumbedarfs unterteilt nach originären Eigennutzungen (im eigenen Verantwortungsbereich), nach möglichen Mischnutzungen (im eigenen Verantwortungsbereich, können aber dem Verbund zur Verfügung gestellt werden) und neuen Verbundnutzungen, die gemeinsam organisiert, getragen und genutzt werden, hilfreich und notwendig. Gemeinsam mit Anwohnern und Nutzern kann dann die Identität des Ortes als ‚Learning Village’ sichtbar gemacht und gestaltet werden.

Prozess und Kommunikation

In einem ersten Schritt soll gemeinsam eine Prozess- und Kommunikationsstruktur entworfen werden, um eigene Wünsche und Interessen an das Projekt, an den Ort, den Freiraum, das Haus, die Nachbarn und vieles mehr, formulieren und in einen offenen Dialog einspeisen zu können. Als Vorbild kann hierfür das Projekt der ‚Bildungslandschaft Köln’ dienen. Einzigartig für das ‚Learning Village Bergheim’ ist dagegen die generationsübergreifende Komponente von der Kindertagesstätte bis zur Akademie für Ältere. Des Weiteren wird mit Hilfe des IBA-Kandidaten-Status die Akquise finanzieller Mittel, das Ausloten von Fördermöglichkeiten und das gezielte Ansprechen und Einbinden von Sponsoren sowie anderen Partnern für die Projektphasen Moderation (1), Planung (2), Umsetzung (3) begonnen werden. Die ersten Gespräche mit den Akteuren sind im Gange. Der Stadtteilverein Bergheim unterstützt das Projekt und ist mit seinen Räumlichkeiten selbst vor Ort und damit Teil des ‚Learning Village’. 

Das ‚Learning Village’ wertet den öffentlichen Raum auf und schafft Identität. Es ist dem Gemeinwohl verpflichtet und hat als generationenübergreifendes Projekt eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Aufgrund der ihm innewohnenden unterschiedlichen Nutzungen ist das ‚Learning Village’ von Natur aus polyvalent.